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Koffeinfreier Kaffee: Was du über entkoffeinierten Kaffee wissen musst

Nadine Scheinervon Nadine Scheiner · aktualisiert 07.10.2026
Kurz gesagt: Koffeinfreier Kaffee ist streng genommen nicht koffeinfrei, sondern entkoffeiniert: In Deutschland darf Röstkaffee maximal 0,1 % Koffein in der Trockenmasse enthalten (Kaffeeverordnung § 2), löslicher Kaffee maximal 0,3 % (EU-Richtlinie 1999/4/EG). Eine Tasse entkoffeinierter Kaffee enthält etwa 1–5 mg Koffein, verglichen mit 60–180 mg in normalem Filterkaffee. Für die Entkoffeinierung werden vier Hauptverfahren genutzt: Lösungsmittel (Dichlormethan, Ethylacetat), Wasser (Swiss Water Process), CO2 und Triglyceride. Bio-zertifizierter entkoffeinierter Kaffee muss ohne chemische Lösungsmittel hergestellt werden. Entkoffeinierter Kaffee ist für die meisten Menschen gesundheitlich unbedenklich und eine gute Wahl bei Koffein-Empfindlichkeit, am Abend oder in der Schwangerschaft.
Koffeinfreier kaffee auf einen Blick
Koffeingehalt (DE)max. 0,1 % in Trockenmasse (Röstkaffee)
Koffeingehalt (EU-Extrakt)max. 0,3 % (löslicher Kaffee)
Koffein pro Tasse Decaf1–5 mg (EFSA: 1,4–3,6 mg)
Koffein pro Tasse normal60–180 mg (Filter, 150 ml)
Entkoffeinierungsgradbis zu 97 % des Koffeins entfernt
HauptverfahrenLösungsmittel, Wasser, CO2, Triglyceride
Bio-Regelungohne chemische Lösungsmittel
Arabica-Koffein1–1,4 % im Rohkaffee
Robusta-Koffein1,8–3,5 % im Rohkaffee
ErfinderLudwig Roselius, Bremen, 1903

Was ist koffeinfreier Kaffee?

Koffeinfreier Kaffee ist Kaffee, dem das Koffein weitgehend entzogen wurde – korrekt heißt er entkoffeinierter Kaffee. Die Bezeichnung „koffeinfrei“ ist auf deutschen Verpackungen nicht zulässig, weil immer Restmengen Koffein verbleiben. Die Entkoffeinierung erfolgt am Rohkaffee, also vor der Röstung. Dabei werden die Bohnen zunächst mit Wasserdampf gequellt, damit das Koffein gelöst und extrahiert werden kann.

Der Prozess entfernt bis zu 97 % des ursprünglichen Koffeins. Die übrigen Inhaltsstoffe – Aromen, Öle, Säuren – bleiben weitgehend erhalten, wenn schonende Verfahren zum Einsatz kommen.

Wie viel Koffein steckt noch in entkoffeiniertem Kaffee?

Eine Tasse entkoffeinierter Kaffee (150 ml) enthält etwa 1–5 mg Koffein, während normaler Filterkaffee 60–180 mg pro Tasse liefert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt für entkoffeinierten Kaffee 1,4–3,6 mg pro Tasse an, für Filterkaffee 80–138 mg pro 200 ml. Entkoffeinierter Espresso liegt bei 3–15,8 mg pro Shot, normaler Espresso bei 51–322 mg (Median 140 mg).

Die Restmenge hängt von der Bohnensorte und dem Verfahren ab. Arabica enthält von Natur aus 1–1,4 % Koffein, Robusta 1,8–3,5 %. Daher wird zur Entkoffeinierung fast ausschließlich Arabica verwendet – nicht weil der Koffeingehalt „sehr gering“ ist, sondern weil die Ausgangsmenge niedriger ist und das Verfahren effizienter arbeitet.

Welche Entkoffeinierungsverfahren gibt es?

Es gibt vier Hauptverfahren zur Entkoffeinierung: Lösungsmittel, Wasser, CO2 und Triglyceride. Alle beginnen mit der Quellung der Rohbohnen durch Wasserdampf. Anschließend wird das Koffein extrahiert – entweder chemisch, physikalisch oder mechanisch.

Beim Lösungsmittelverfahren kommen Dichlormethan oder Ethylacetat zum Einsatz. Dichlormethan steht unter Krebsverdacht, Rückstände sind jedoch auf maximal 2 mg/kg in geröstetem Kaffee begrenzt (Richtlinie 2009/32/EG). Ethylacetat gilt als natürlich und unbedenklich, da es auch in Früchten vorkommt.

Das Wasserverfahren (Swiss Water Process oder Mountain Water) nutzt nur Wasser und Aktivkohlefilter. Die Bohnen liegen bis zu 8 Stunden in einer Wasserlösung, das Koffein wird per Aktivkohlefilter entfernt. Das CO2-Verfahren arbeitet mit überkritischem Kohlendioxid bei 73–300 bar. Beide Verfahren gelten als besonders schonend und kommen ohne chemische Lösungsmittel aus.

Das Triglycerid-Verfahren nutzt Kaffeeöl, um das Koffein zu binden. Es ist weniger verbreitet, gilt aber als schonend für das Aroma.

VerfahrenLösungsmittelGesundheitliche BewertungAromaverlust
DichlormethanchemischGrenzwert 2 mg/kg, toxikologisch unbedenklichgering
Ethylacetatnatürlich/chemischunbedenklichgering
Swiss Water Processkeinunbedenklichgering
CO2-Verfahrenkeinunbedenklichgering
TriglyceridKaffeeölunbedenklichgering

Ist entkoffeinierter Kaffee gesund?

Entkoffeinierter Kaffee ist für die meisten Menschen gesundheitlich unbedenklich und kann sogar Vorteile haben. Er enthält weniger Röstreizstoffe und regt die Magensäure nur minimal an – das macht ihn magenschonender als normalen Kaffee. Für Menschen mit empfindlichem Magen oder Sodbrennen ist Decaf oft die bessere Wahl.

Bedenken gegenüber chemischen Lösungsmitteln sind berechtigt, aber die Grenzwerte sind streng: Dichlormethan-Rückstände dürfen maximal 2 mg/kg betragen und gelten toxikologisch als unbedenklich. Wer ganz sicher gehen will, greift zu Bio-Kaffee – dieser muss ohne chemische Lösungsmittel entkoffeiniert werden.

Für wen lohnt sich entkoffeinierter Kaffee?

Entkoffeinierter Kaffee lohnt sich für Menschen mit Koffein-Empfindlichkeit, bei Schlafstörungen, in der Schwangerschaft oder bei Magenproblemen. Koffein kann Herzrasen, Unruhe und Schlafstörungen auslösen – Decaf vermeidet diese Effekte, ohne auf den Kaffeegenuss zu verzichten.

Die EFSA bezeichnet 200 mg Koffein pro Tag für Schwangere und Stillende als Menge ohne Sicherheitsbedenken. Mit entkoffeiniertem Kaffee (1–5 mg pro Tasse) lassen sich auch mehrere Tassen täglich bedenkenlos trinken – selbst 10 Tassen Decaf entsprechen maximal etwa 50 mg Koffein (eigene Rechnung).

Auch am Abend ist Decaf eine gute Wahl: Bei 1–5 mg Restkoffein pro Tasse ist die Wirkung auf den Schlaf für die allermeisten Menschen vernachlässigbar.

Wie schmeckt entkoffeinierter Kaffee?

Moderne Entkoffeinierungsverfahren erhalten das Aroma weitgehend, aber ein minimaler Unterschied ist meist spürbar. In Blindverkostungen zeigt sich: Bei hochwertigen Rohbohnen und schonenden Verfahren (CO2, Swiss Water) ist der Unterschied zu normalem Kaffee kaum wahrnehmbar. Bei sehr charakterstarken Rohkaffees können Prozessnoten jedoch auch für Experten nicht herausschmeckbar sein.

Charakterstarke Rohkaffees überstehen die Entkoffeinierung besser als milde Sorten. Wer Wert auf Geschmack legt, sollte auf die Rohbohnenqualität achten und nicht nur auf das Verfahren. Die Behauptung, Decaf schmecke „1:1 wie normaler Kaffee“, ist Marketing-Übertreibung – aber der Unterschied ist bei guter Qualität minimal.

Wer hat den entkoffeinierten Kaffee erfunden?

Ludwig Roselius entwickelte 1903 in Bremen das erste kommerzielle Entkoffeinierungsverfahren. Roselius war Gründer der Kaffee HAG und suchte nach einer Methode, nachdem sein Vater verstorben war und Ärzte übermäßigen Kaffeekonsum als mögliche Ursache vermuteten.

Das ursprüngliche Roselius-Verfahren nutzte Benzol als Lösungsmittel – eine Substanz, die heute als krebserregend gilt. Das Verfahren wird seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet. Moderne Verfahren arbeiten mit deutlich sichereren Methoden.

Welche koffeinfreien Alternativen zu Kaffee gibt es?

Getreidekaffee, Malzkaffee, Lupinenkaffee und Zichorienkaffee sind koffeinfreie Alternativen mit röstigen, malzigen Noten. Sie werden aus geröstetem Getreide, Chicorée oder Lupinen hergestellt und enthalten von Natur aus kein Koffein.

Getreidekaffee enthält Gluten und ist bei Zöliakie zu vermeiden. Diese Alternativen schmecken anders als Kaffee, bieten aber eine vollständig koffeinfreie Option.

Worauf sollte ich beim Kauf von entkoffeiniertem Kaffee achten?

Achte auf das Bio-Siegel, die Röstung und die Packungsgröße. Bio-zertifizierter entkoffeinierter Kaffee muss ohne chemische Lösungsmittel hergestellt werden – das Bio-Siegel ist daher ein verlässlicher Indikator, da das Verfahren selten auf der Packung steht.

Ganze Bohnen frisch mahlen ist ideal, auch für Vollautomaten. Helle Röstungen eignen sich für Filter, dunkle für Espresso. Entkoffeinierte Bohnen sind poröser und verlieren Aroma schneller – kaufe daher kleinere Packungen (250 g) und lagere sie luftdicht, nicht im Kühlschrank.

Preislich liegt entkoffeinierter Kaffee bei etwa 31 Cent pro Tasse (bei 8 g Kaffee pro Tasse) – dies ist ein Beispiel eines bestimmten Anbieters.

Häufige Fragen

Ist entkoffeinierter Kaffee wirklich koffeinfrei?

Nein, entkoffeinierter Kaffee enthält noch Restmengen Koffein. In Deutschland sind maximal 0,1 % Koffein in der Trockenmasse erlaubt, eine Tasse enthält etwa 1–5 mg.

Welches Entkoffeinierungsverfahren ist am schonendsten?

Wasser- und CO2-Verfahren gelten als am schonendsten, da sie ohne chemische Lösungsmittel auskommen. Bio-Kaffee muss ohne Chemie entkoffeiniert werden.

Kann ich entkoffeinierten Kaffee abends trinken?

Ja, bei 1–5 mg Restkoffein pro Tasse ist die Wirkung auf den Schlaf für die meisten Menschen vernachlässigbar.

Schmeckt entkoffeinierter Kaffee anders?

Bei hochwertigen Rohbohnen und schonenden Verfahren ist der Unterschied minimal, aber meist spürbar. Charakterstarke Kaffees überstehen die Entkoffeinierung besser.

Ist entkoffeinierter Kaffee magenschonend?

Ja, entkoffeinierter Kaffee enthält weniger Röstreizstoffe und regt die Magensäure nur minimal an.

Wie erkenne ich chemiefrei entkoffeinierten Kaffee?

Achte auf das Bio-Siegel – Bio-Kaffee muss ohne chemische Lösungsmittel entkoffeiniert werden.

Was ist der Unterschied zwischen entkoffeiniert und koffeinfrei?

„Koffeinfrei“ ist in Deutschland nicht zulässig, da immer Restmengen verbleiben. Die korrekte Bezeichnung ist „entkoffeiniert“.

Mein Fazit

Ich finde entkoffeinierten Kaffee eine sinnvolle Option für alle, die koffeinempfindlich sind oder abends noch eine Tasse genießen möchten. Die modernen Verfahren sind sicher, und bei guter Rohbohnenqualität schmeckt Decaf fast wie normaler Kaffee. Wer ganz sicher gehen will, greift zu Bio-Kaffee – der ist garantiert ohne Chemie entkoffeiniert.